APS meldet Kunst. Achtung: Bitte nicht ausparken. Entfernen Sie die Installation vor Ihrem Ultraschallsensor und nehmen Sie sich einen Moment Zeit, das Kunstwerk auf der Rückseite zu betrachten. Ob Kunst ein Hindernis ist oder nicht, entscheiden Sie selbst.
In Zeiten von Drive-in-Kultur, Auto-Kino und Auto-Kirche wird das Auto selbst zum neuen Ausstellungsraum. Das Art-Park-System (APS) interveniert genau dort, wo Mobilität zur Routine wird – im Übergang von Bewegung zu Stillstand. Kleine Kunstwerke werden an der Stoßstange parkender Autos befestigt, genau vor einem der Parksensoren. Beim Start des Fahrzeugs meldet der Bordcomputer: Hindernis. Doch statt eines Einkaufswagens oder eines Fahrradständers wartet hier ein Kunstwerk.
Wer aussteigt und schaut, findet auf der Rückseite des Objekts einen QR-Code, der weitere Informationen bietet – oder einfach nur Kontext. Das Kunstwerk wird zur Störung der smarten Sensorik, zur Reflexionsfläche über Wahrnehmung, Vertrauen in Technik und automatisierte Alltagsführung. APS unterbricht das blinde Vertrauen in digitale Systeme – durch reale Kunst.
Kunst als Hindernis. Oder als Rettung.


Die erste Serie mit den Titel C71 besteht aus 10 einzigartigen Kunstwerken des Künstlers und Erfinder des APS Systems Herr Clair. Verschiedene abstrakte Hindernisse der Gegenwart sind in den Farben Gold, Blau, Rot und Gelb dargestellt.

Die zweite Serie mit dem Titel KV besteht aus kleinen 3D Collagen der Künstlerin Renate Liebel. „Sie nutzt ihre künstlerische Arbeit, um über den Zugang der Menschen zur Natur nachzudenken. Objekte, Rauminstallationen und Landschaftsbilder verbindet sie mit organisch gewachsenen und synthetisch produzierten Materialien und Strukturen, mal albern, mal assoziativ – immer mit einem Sinn für Ästhetik. Und Bewusstsein für Kitsch. Wer ihre Werke betrachtet, wird in eine Welt voller Widersprüche hineingezogen und zum Nachdenken über idyllische Naturräume angeregt: Wie gehen wir eigentlich damit um?“

Die dritte Serie wurde von Benjamin Bronni gestaltet. „In Papierarbeiten, Gemälden und plastischen Wandobjekten erkundet Benjamin Bronni die rhythmische Durchdringung von Form und Raum.“ Für das APS arbeitet er mit dünnen Reliefs (gedruckt im 3D-Drucker) mit unterschiedlichen Texturen und Oberflächen. Hindernisse für die Wahrnehmung und Ästhetik für den Tastsinn.

Die vierte Serie wurde von Bureau Baubotanik gestaltet. Das Architekten-Duo Hannes Schwertfeger und Oliver Storz forscht an der Frage, wie sich lebende Pflanzen mit und durch Technik in der Architektur, in Tragkonstruktionen und performativen Installationen verwenden lassen und verhalten. Auf der Serie mit dem Namen “treehugger” befinden sich verschiedene “Baubots”: Protypische Architekturen, die mit und aus Bäumen gewachsen sind.

Die fünfte Serie wurde von Martina Wegener gestaltet. Die Künstlerin mit eigener Alm in Stuttgart an der Wagenhalle schafft Verhandlungsräume für aktuelle Kunst. Derzeit arbeitet sie u.a. an einem Musik-Western der größtenteils in Südfrankreich gedreht wird. Die Serie besteht aus einem Anagramm, welches unterschiedlichste Formen annimmt. Wer kann das Wort erraten?

Die sechste Serie wurde von Fabian Brose gestaltet. Der freiberufliche Mediengestalter, Musiker und Erfinder befasst sich mit Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. Seit Dezember 2019 von Strukturpflug ausgezeichnet mit dem Doppel-Zertifikat “Innovativ Strukturiert” und “Besonders Strukturiert”.

g.a.d.o. ist ein Duo zweier großartiger Künstlerinnen, bestehend aus Paloma Sanchez-Palenciaund Lena Skrabs.. Sie interessieren sich für den performativen Aspekt des alltäglichen Lebens, für die feierlichen Möglichkeiten des Gewöhnlichen, für die Untersuchung von künstlerischen, häuslichen und Dienstleistungssystemen. Arbeit und Nicht-Arbeit sind ihre Hauptthemen in Forschung und Praxis. Ihre Praxis umfasst kleine und große Gesten, Freizeit, Langeweile, Freude, Feste und oft auch Enttäuschungen. Durchschnittliche Leistung ist ihr erklärtes Ziel.
Die Who Knows? Fortune Teller Hotline wurde in Zusammenarbeit mit Melina von Gagern und Ina Weise realisiert.

Die achte Serie wurde von dem Künstler Stephan Köperl gestaltet. Der Interventionist und Performer beobachtet den Alltag von Menschen in urbanen Räumen und entwickelt Strategien der Neu-Orientierung. Auf den APS ist mit feinem Bleistift der Schwingkreis eines Ultraschallsensors gezeichnet. Der Sensor selbst aber wurde ersetzt durch eine Alltagsmaske, wie sie heute das Stadtbild prägt. Wie nah kommen wir der Kunst? Wie weit weg ist die Gesellschaft? Und: schützt uns das Auto vor dem Fremden?

Die neunte Serie mit dem Titel “Die technologisch erzogene Masse” wurde vom Künstler Sigma Talberg gestaltet. “Das Verlernen von Fähigkeiten ist Teil der schöpferischen Zerstörung. Die etablierte Informationsinfrastruktur ist zum Freiheits-Paradox geworden und durchdringt heute sämtliche Lebensbereiche. Steuerungs- und Kontrollfunktionen bringen sowohl einschränkende wie auch befreiende Elemente – Freiheit und Abhängigkeit gehen Hand in Hand. Wir stützen uns auf sie. Vertrauen ihnen blind. Sie werden zum Schrittmacher. Fallen diese aus, kommt Panik in uns auf, empfinden wir Druck. Erleichtert stellen wir fest, dass bei Ausfall der Sensoren die Technik übernimmt und der Zeiger des Druckmessgerätes niedrigen Druck anzeigt. Es war nur Kunst.”

Die zehnte Serie wurde von der Agentur für Nachhaltigkeit und Verschwendung gestaltet. Das Kunstprojekt arbeitet und forscht am Zeitgeist der Nachhaltigkeit und der dazugehörigen Antithese der Verschwendung. Es untersucht die Dualität des Menschseins im Spiel vom Abstand und Nähe, von Rationalität und Spiel sowie von Vergänglichkeit und Leben.

Zum Abschluss der Kunstaktion APS – Art-Park-System im öffentlichen Raum wurden die gerahmten Editionen im Rahmen einer Ausstellung beim Kunstverein Wagenhalle präsentiert. Die Vernissage am 07.10.2020 war Teil der feierlichen Wiedereröffnung der sanierten Wagenhalle.
Für die Ausstellung wurde ein eigens entwickeltes interaktives Sensorsystem installiert, das die Besucher:innen selbst als Hindernisse erfasste und damit das Thema des Projekts – Wahrnehmung, Automatisierung und Irritation – künstlerisch fortsetzte. Die Besucher:innen traten in einen Dialog mit den Kunstwerken, die vormals Sensoren blockierten – nun blockierten sie die Sensoren selbst.
Die Installation war später auch Teil des Abschlussfestivals „Unter Beobachtung. Kunst des Rückzugs“ der KulturRegion Stuttgart. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Kauri Scherer (Gestaltung & Kuratierung).
