Wie lässt sich ein Markt schaffen, der seine eigene Grundlage erzeugt – und gleichzeitig in Frage stellt?
Wie viel Entscheidungsfreiheit verträgt Moral?
Und was geschieht, wenn wir Kunst als ökonomisches System gestalten, das sich unserer Haltung entzieht?
Plastic4Future ist ein spekulatives Kunstprojekt in der Form einer real existierenden Offshore-Firma. Sie vertreibt sogenannte C4RE-Zertifikate, die den Marktwert von Plastik im Meer handeln. Käufer:innen können entscheiden:
Das Ziel: Maximale Entscheidungsfreiheit bei gleichzeitigem Gleichgewicht des Marktes.
Der zugrundeliegende Mechanismus ist einfach – und unerbittlich: Ein Algorithmus regelt die Preisrelation zwischen den gegensätzlichen Zertifikaten. Je mehr Menschen sich für das „gute“ Zertifikat (Clearing) entscheiden, desto teurer wird es – und desto günstiger wird Freefloat.
Ein Markt, der auf moralischer Überlegenheit aufbaut, produziert so seine eigene Kompensation. Das Gleichgewicht wird zum Zwang. Wenn zu viele retten, wird Verschmutzen günstiger. Wenn niemand mehr verschmutzen will, wird Retten unbezahlbar.
Plastic4FutureDie Zertifikate sind limitiert auf 1000 Stück – je 1 kg Plastik. Jedes Zertifikat ist auch ein einzigartiges Kunstwerk, Teil einer Edition, Teil eines Systems, das nicht gefallen will.
Plastic4Future ist eine Soziale Plastik im Sinne von Joseph Beuys – aber ohne das Pathos der Heilung. Stattdessen: ein ökonomisch funktionierendes Kunstsystem, das sich jeder moralischen Eindeutigkeit verweigert.
Es ist eine Kunst, die nicht rettet, nicht verklärt, nicht missioniert –
sondern fragt: Was tust du, wenn niemand sagt, was richtig ist?
Doch genau das war das Problem.

Plastic4Future wurde – entgegen seiner Konzeption – ausschließlich moralisch rezipiert. Statt als spekulative Versuchsanordnung wurde es als Haltung gelesen. Statt die Struktur zu reflektieren, wollten viele wissen: „Was ist richtig?“ Das Projekt scheiterte daran. Vielleicht, weil eine Kunst, die keine moralische Position einnimmt, heute nicht mehr als Kunst gelten darf. Oder weil sie zu nah an reale Mechanismen gerät, in denen der Markt längst Entscheidungen ersetzt.

Die Website existiert. Die Zertifikate können weiterhin gekauft werden. Und der Algorithmus funktioniert. Es ist ein Markt – kein Kommentar. Eine Offshore Company als Kunstwerk. Ein Gleichgewicht, das provoziert, weil es sich nicht entscheidet. Und ein Kunstsystem, das fragt: Was, wenn Provokation heute bedeutet, nichts zu sagen – sondern nur zu funktionieren? Kaufen Sie jetzt noch ein exklusives C4RE Zertifikat. www.plastic4future.com
Über P4F in der Presse:
—-
Idee, Konzept und künstlerische Leitung Clair Bötschi
Corporate Design https://niessnerdesign.de/
Programmierung: Christop Wetzel
Stage Design und Fotografie: Sebastian F. Meyer
Assistenz: Michelle Radam
Office Indonesien: Ben