Nachwendung ist ein künstlerisches Projekt und experimenteller Denkraum an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Ökonomie und Kunst. Es arbeitet am Zeitgeist der Nachhaltigkeit und seiner Antithese der Verschwendung – nicht, um Effizienz oder Ressourcenschonung zu standardisieren, sondern um die kulturellen Annahmen hinter diesen Begriffen sichtbar und befragbar zu machen.
www.nachwendung.comIn unserem gegenwärtigen Diskurs ist Nachhaltigkeit zu einem wirtschaftlichen Begriff geworden, der auf der Grundannahme von Knappheit beruht: Zeit, Ressourcen, Kapital und Aufmerksamkeit seien begrenzt. Doch was, wenn Knappheit nicht einfach da ist, sondern erst durch die Denkweisen, Handlungssysteme und Messlogiken entsteht, die wir ihr zugrunde legen?
Hier setzt Nachwendung an: Künstlerische Arbeit beginnt dort, wo Wirkung nicht kalkulierbar ist – dort, wo das Zählbare nicht unbedingt das Wesentliche erfasst. Die Agentur hinterfragt, was es bedeutet, Haltung zu messen, Verantwortung zu bilanzieren und Kontext sichtbar zu machen, ohne dabei in die üblichen Raster von Effizienz, Kontrolle oder Zielerreichung zu verfallen.
Im Zentrum steht das, was wir „Bilanz der Verausgabung“ nennen: Ein Ansatz, der nicht Effizienz belohnt, sondern den Aufwand, die Ambivalenz und den Kontext von Kunst und Kultur sichtbar macht. Dies geschieht nicht technisch oder moralisch, sondern als künstlerische Geste, als bewusste Störung etablierter Bewertungslogiken.
So ist das projekthauseigene CO₂‑Zertifikat für Kunstwerke kein klassisches Bilanzinstrument, sondern ein Artefakt, das Haltung misst statt Output. Es beansprucht keinen Anspruch auf Wahrheit, sondern fragt danach, was gemessen wird und warum.
Die Agentur entwickelt eine Reihe von Werkzeugen, darunter:
Nachwendung wurde von mir (Clair Bötschi) als Agentur für Nachhaltigkeit und Verschwendung initiiert und operiert seither im Zwischenraum von Kultur, Bürokratie und Ökonomie. Sie ist zugleich künstlerisches Projekt, Beratungsagentur und Experimentierraum – offen für alle, die Wirkung, Verantwortung und Kultur nicht länger getrennt denken wollen.Das Projekt transformiert sich kontinuierlich, findet neue Formen, Tools und Ausdrucksweisen. Es versteht Verschwendung nicht als Makel, sondern als kulturelle Bedingung kreativen Denkens und Handelns.