Die Arbeit „Tischlein deck dich“ ist ein ortsspezifisches Kunstwerk im Rahmen der Ausstellung ORIENTATION MATTERS – Die natürliche Unordnung der Dinge im Projektraum des Kunstverein Wagenhalle in Stuttgart (Herbst 2023). Auf einem großen Tisch liegt eine Tischdecke, die nichts weniger zeigt als den originalen Kosten‑ und Finanzierungsplan (KFP) der Ausstellung.
Das Werk lädt ein, sich zu setzen, die Zahlen zu betrachten, und darüber nachzudenken, was normalerweise unsichtbar bleibt: die finanzielle Grundlage dessen, was wir Kunst nennen. Kann eine Excel‑Tabelle selbst ein ästhetisches Objekt sein? Und was geschieht, wenn Verwaltung zu Oberfläche wird?
„Tischlein deck dich“ war mehr als ein ruhendes Kunstobjekt: Der Tisch wurde zur Plattform des Gesprächs. Er war Bühne eines öffentlichen Strukturgesprächs zum Verhältnis von Fördersystemen in Kultur und Landwirtschaft – ein ungewöhnlicher, aber fruchtbarer Vergleich zwischen zwei gesellschaftlich wie ökonomisch stark regulierten Bereichen. Gemeinsam mit dem Ökonom Prof. Dr. Mathias Binswanger, dem Landwirt Lukas Hartenberg und mir als Künstler und Moderator wurde dort die Frage verhandelt, wie Förderlogiken in verschiedenen Feldern wirken – über Zweck, Wirkung, Bewertung und die Grenzen von Effizienzdenken.
Essay über das StrukturgesprächAuf der Tischdecke liegen keine abstrakten Kalkulationen mehr, sondern gesellschaftliche Bedingungen: Geld, Zeit, Aufwand, Erwartung, Risiko. Die Excel‑Spalten werden zur Oberfläche eines Denkprozesses, der sich nicht nur auf Zahlen beschränkt, sondern sie als Form, Textur und Argument begreift.
Tischlein deck dich ist damit ein Werk über das Unsichtbare in kulturellen Prozessen – und über den öffentlichen Raum, der entsteht, wenn man ihn nicht nur betritt, sondern belegt: mit Blicken, Gesprächen, Fragen.