Manchmal braucht es nur eine alte Telefonzelle, um mit der Zukunft zu sprechen.
2021 wurden drei solcher Zellen im Stuttgarter Kulturschutzgebiet an der Wagenhalle installiert – als Teil des künstlerischen Projekts SmART City. Was früher analoger Knotenpunkt der Erreichbarkeit war, wurde nun zu einem Interface spekulativer Stadtforschung.
Doch hier wird nicht einfach telefoniert. Hier wird gerechnet, gefragt, erzählt.
In einer Zeit, in der das Schlagwort „Smart City“ als technokratische Verheißung durch politische Programme geistert, stellt dieses Projekt eine Gegenbewegung dar: SmART City will nicht vermessen, sondern imaginiert.
Die drei interaktiven KI-Telefonzellen verarbeiten lokale, globale und persönliche Datenströme – und übersetzen sie in Zukunftsszenarien für ein entstehendes Quartier, das sich selbst gerade neu erfindet: die Maker City an der Wagenhalle.
Ein künstlerischer Algorithmus fusioniert Informationen zu Luftqualität, Aktienkursen, Mikroklima, Feinstaubwerten, Halbleiterproduktion, lokalem Bewegungsprofil und sogar Gesundheitsdaten einzelner Künstler:innen.
Was dabei entsteht, ist kein Dashboard – sondern ein poetisches Datengemälde. Eine visuelle Erzählung, die sich fortlaufend verändert – im Dialog mit dem Raum, der Zeit, den Besuchenden.
Im Zentrum der Installation steht Marvin – eine KI mit Stimme, Hörer und Haltung.
Wer den Hörer abnimmt, wird Teil eines Gesprächs über Stadt, Zukunft, Vernetzung und Potenzial. Marvin ist weder neutral noch allwissend – er ist eine Figur. Eine Intervention. Ein digitaler Erzähler im Kleid eines technischen Artefakts.
Das Projekt fragt: Wie wollen wir hören, sprechen, leben in der Stadt der Zukunft? Und vor allem: Wer spricht mit?
SmART City ist keine Kritik an Smartness – sondern ein Versuch, sie zu überschreiben. Nicht mit Effizienz, sondern mit Vorstellungskraft. Nicht mit Lösung, sondern mit Fragestellung. Die Zellen stehen im Raum – leuchten, rechnen, sprechen. Sie bilden eine Art ephemeres Netzwerk, das die Idee von Öffentlichkeit, Kommunikation und urbaner Digitalität neu denkt. Was, wenn Daten keine Steuerung, sondern Erzählung ermöglichen? Was, wenn wir endlich wieder zuhören – auch Maschinen?
Künstlerisches Team (Marvin-Kollektiv): Clair Bötschi, Fabian Kühfuß, Christoph Wetzel, Fabian Brose
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