Was sieht man, wenn man auf eine Excel-Tabelle blickt? Spalten, Summen, Ausgaben, Einnahmen. Was aber, wenn man genauer hinsieht? Wenn man beginnt, in diesen strukturierten Zahlenwerken nicht nur Kontrolle zu vermuten, sondern eine Ästhetik? Oder sogar ein Versprechen?
Die Serie KFP NEW NORMAL basiert auf dem tatsächlichen Kosten- und Finanzierungsplan des gleichnamigen Musikfestivals von 2022 in Stuttgart. Die Collagen entstanden im Zuge meiner künstlerischen Forschung zur Organisation kultureller Prozesse – als Reaktion auf die Frage, wie Förderlogiken sichtbar gemacht werden können, ohne sie nur zu illustrieren.
In den Arbeiten werden Exceltabellen zerschnitten, verschoben, komponiert. Sichtbar wird nicht der Inhalt der Zahlen, sondern das System dahinter: Linien, Balken, Farben – Spuren von Kontrolle und zugleich Zeugnisse von Möglichmachung. Jede Collage ist eine Reflexion über das Verhältnis von Verwaltung und Gestaltung, über Bürokratie als ästhetische Ordnung.
Die Bildsprache erinnert an konstruktivistische und konkrete Kunst – aber nicht als Hommage, sondern als Kommentar. Dort, wo einst mit Form der Fortschritt gestaltet werden sollte, geht es heute um Mittelverwendungsnachweise. Und dennoch: Gerade in dieser Rationalität steckt ein Potenzial. Denn auch eine Förderstruktur kann Material sein – für künstlerische Kritik, für poetische Störung oder schlicht: für ein Bild.
KFP NEW NORMAL fragt: Welche Geschichten erzählen uns unsere Tabellen? Wer schreibt sie – und für wen? Und was bleibt am Ende sichtbar, wenn man alles wegrechnet?
