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FastArt Stuttgart

In einer Gesellschaft, deren Lebensbereiche sich ständig beschleunigen, wo wir von Erlebnis zu Erlebnis hetzen und in unser knappen Zeit möglichst viel unterbringen wollen, fungieren Kunstmuseen als Kathedralen der Wahrnehmung, der Langsamkeit, des Denkens und der Resonanz. Man beginnt auch hier zu beschleunigen. Größere, krassere und schneller wechselnde Ausstellungen werden durch die Medienwelt gehetzt. Auch der Besucher hat keine Zeit mehr. Einer Studie zu Folge, betrachtet der Besucher ganze 11 Sekunden im Durchschnitt ein Exponat. Die überfülle an Exponaten kann auch erschlagen. Der Slow Art Day ist eine Antwort und der Aufruf zur Entschleunigung. Man setzt auf Qualität statt Quantität. Die langsame, bewusste Betrachtung von Kunst vernachlässigt die Beobachtung des flüchtigen Momentes. In der Geschwindigkeit lässt sich viel wahrnehmen. FastArt will die Kunstbetrachtung beschleunigen um den Fokus auf das Unbewusste, den flüchtigen Moment des Erkennen zu lenken. Was nimmt mein Bewusstsein noch wahr, was ist der erste Eindruck der bleibt? Das Thema der Geschwindigkeit, der Beschleunigung, das Flüchtige und der erste Eindruck spielen in der Kunstgeschichte immer wieder eine große Rolle. Warum dies nicht mal bewusst auf die Kunstbetrachtung übertragen? Es ist Zeit mit neuen Ausstellungsformen neue Wege der Betrachtung zu gehen. Nicht um die Kunst weiter zu degradieren, sondern um neue Wahrnehmungs- und Denkräume zu eröffnen.

 

Das Ausstellungskonzept FastArt wurde im Gedanken an das Kunstmuseum Stuttgart entwickelt. Die Voraussetzungen sind hier perfekt. Der Kubus in der Mitte der Stadt ist hoch genug und mit einer Glasfassade versehen. Durch einen Durchgang gelangt man auf eine Rutsche, die seitlich entlang bis auf den Platz vor dem Museum führt. An der Rutsche befinden sich Ausstellungskästen mit Kunstwerken. So kann der Besucher, innerhalb kürzester Zeit an einer Vielzahl an Exponaten vorbei rutschen und sein Besuch reduziert sich auf ein Minimum. Die Rutsche ist mit Teppichbelag gepolstert, damit sich keiner beim Rutschen verletzt oder dreckig macht. Darüber hinaus bietet diese Kunstrutsche auch eine Motivation für Nicht-Museumsbesucher, einen Fuß in das Kunstmuseum Stuttgart zu setzen. Die Königstraße als Pulsader, die täglich Tausende von Menschen am Museum vorbeischleust, bietet hier eine optimale Lage. Die Ausstellung Fast-Art hat das Potenzial die Hemmschwelle der Menschen dem Museum gegenüber zu senken und erreicht, dass auch Menschen ins Museum kommen, die sich normalerweise nicht für Kunst interessieren. Darüber hinaus könnte man Stuttgart, wirtschaftlicher Standort von Mercedes und Porsche, als die Stadt von Aufbruch, Beschleunigung und Initiative ansehen. Geschwindigkeit ist nicht nur schlecht. Das Ausstellungskonzept klammert noch bewusst die Frage nach den Exponaten aus. Ob Impressionismus, Pop Art oder zeitgenössische Kunst, vieles ist möglich. Exzellent wäre die Konkretisierung mit dem Kunstmuseum Stuttgart und Partnern aus der Wirtschaft.

Jahr: 2017

Titel: Fast Art

Kontext: Ausstellungskonzept im Rahmen des Masterstudiengangs Kultur + Management an der DIU Dresden