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Das Endlager

Es gibt in Deutschland zwei Dinge die ein Endlager gebrauchen könnten und immer noch keins haben. Die Rede ist natürlich von radioaktiven Abfällen und von Kunst. Die Gemeinsamkeiten liegen auf der Hand. Keiner will/kann sie wegschmeißen, es gibt eine ganze Menge davon, die Lagerung ist teuer und kompliziert und sowohl Kunst als auch Atommüll sind hoch sensibel. Die politische Diskussion um ein Endlager für Atommüll dreht sich im Kreis und es ist nicht abzusehen ob jemals eines gefunden werden kann. Meine Vision ist es, diese Frage zu lösen und ein Endlager für Atommüll und Kunst gleichermaßen zu bauen. Schon heute wissen die Museen nicht mehr wohin mit der Kunst und es wird immer mehr. Das Gleiche liegt beim Atommüll vor, wobei hier zumindest eine maximale Grenze wahrscheinlich scheint. Die Endlagerfrage hängt vom Standort ab und natürlich will niemand Müll vor seiner Haustür haben. Durch die Kombination von radioaktiven Abfällen und Kunst kann aber ein Anreiz geschaffen werden einen Standort zu finden. Wie wäre es, wenn das Bundesland, welches ein Endlager errichtet – einen Großteil der Kunstwerke, die schon jetzt in unterschiedlichen Depots liegen, von den anderen Bundesländern geschenkt bekommen würde. Das Endlager könnte gekrönt werden durch ein Museum der Superlative als Symbol des Willens zum Fortschritt des Menschen. Dadurch wird das Endlager nicht nur ein Nicht-Ort wo Müll verwahrt wird – sondern ein Ort der Begegnung und der Kunst. Eine Müllhalde und ein Tourismusmagnet gleichermaßen. Neben dieser gesellschaftlichen Dimension gibt es aber handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile. Sowohl Atommüll als auch Kunst brauchen das Gleiche: Räume die möglichst klimatisch neutral sind, maximale Sicherheit, einen guten Zugang und immer wiederkehrende Restauration. Beides bewegt sich in einem Zeithorizont der Ewigkeit. Die Kostenersparnisse und Sicherheitsvorteile des Endlagers liegen hier auf der Hand. Lasst uns ein Endlager erfinden, wie es die Welt noch nicht gesehen hat und Verantwortung übernehmen für den Fortschritt des Menschen.

 

Jahr: 2017

Titel: Das Endlager

Kontext: Auseinandersetzung mit der Museumsdepot Überfüllung und der Endlagersuche. Bewerbung bei Z2X17 (Das Festival der neuen Visionäre von Zeit Online)